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Opferzahlen nach Zyklon "Freddy" steigen weiter an

17. März 2023

Im Südosten Afrikas sind inzwischen mehr als 400 Menschen durch den Tropensturm getötet worden. Die meisten Opfer zählt Malawi. Verzweifelt suchen die Menschen in den Trümmern nach weiteren Überlebenden.

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Zwei zerstörte Häuser und einige Bäume stehen auf braunem Untergrund, daneben läuft eine Reihe von Menschen vorbei
Das Dorf Mtauchira in Malawi nach einer Schlammlawine Bild: Esa Alexander/REUTERS

Nach tagelanger Verwüstung durch den schweren Tropensturm "Freddy" suchten Rettungskräfte am Donnerstag in Malawi weiter nach Leichen und Überlebenden. Der Zyklon hat in insgesamt drei Ländern im südöstlichen Afrika – Malawi, Mosambik, Madagaskar - gewütet und dabei mehr als 400 Menschenleben gefordert. Malawi trägt mit insgesamt 326 Toten die größte Last. Dort ist die Zahl der Todesopfer von Mittwoch auf Donnerstag um mehr als 100 angestiegen.

Aufgrund der langen Dauer des Sturmes sind nach offiziellen Angaben knapp 1000 Menschen verletzt worden, mindestens 83.000 hätten ihr Zuhause verloren. Erst nach knapp einer Woche hatten die starken Regenfälle endlich nachgelassen. 

Staatstrauer in Malawi

"Es ist eine nationale Tragödie, die jeden von uns getroffen hat", sagte Präsident Lazarus Chakwera im Gespräch mit Bedürftigen außerhalb der Wirtschaftsmetropole Blantyre im südlichen Teil Malawis. Anschließend verkündete er eine zweiwöchige Staatstrauer. Für die am stärksten betroffene Region, den Süden Malawis, hat die Regierung den Katastrophenfall ausgerufen und um internationale Hilfe gebeten.

Das Medikamentenhilfswerk "action medeor" hat bereits zugesagt, Antibiotika, Schmerzmittel, Infusions- und Verbandsmaterial ins Krisengebiet zu liefern. Nach Angaben der Organisation aus Tönisvorst am Niederrhein hat der Wirbelsturm die ohnehin prekäre Lage in Malawi erheblich verschärft. Wegen eines anhaltenden Cholera-Ausbruchs seien die Krankenhäuser schon vorher oft überfordert gewesen.

Menschen verschiedener Altersgruppen, auch Babys, sitzen auf dem Boden verteilt in einem Raum. Um sie herum stehen vollgepackte Säcke und Kleidung.
Vertriebene Flutopfer ruhen sich in einer Grundschule aus, die als Notunterkunft dientBild: Esa Alexander/REUTERS

 "Es ist ein trauriger Tag für Malawi. Meine Nachbarn haben zehn Familienmitglieder verloren. Mehrere Leute, die ich kenne, werden vermisst", sagte Thomas Bhanda aus der Gemeinde Chilobwe, die in der Nähe von Blantyre liegt. Er ist einer der Menschen, die verzweifelt in den Trümmern nach vermissten Familienmitgliedern suchten. Viele von ihnen standen am Eingang von Leichenhallen Schlange, um Opfer zu identifizieren.

Der letzte Moment, an den sich Kiam Jegwa erinnern kann, ist, wie eine Flut von Wasser in sein Haus in Blantyre eindrang. Als nächstes sei er im Zentralkrankenhaus der Stadt aufgewacht. "Ich kann mich an nichts erinnern. Ich hoffe, meine Familie findet mich bald", sagte der 37-Jährige. Mehr als 300 Notunterkünfte wurden für die Überlebenden eingerichtet, während die Armee und die Polizei zur Bewältigung der Krise eingesetzt wurden.

Ein kleines Gebäude steht fast komplett unter Wasser, hinter ihm eine Reihe von Bäumen
Auch in Niassa, Mosambik, kam es durch "Freddy" zu schweren ÜberflutungenBild: Conceição Matende/DW

Von Flutwassern und Erdrutschen zerstörte Straßen, Brücken und Eisenbahnschienen erschwerten die Arbeit von Rettungskräften. Die Telekommunikation und Stromversorgung sei in vielen Landesteilen unterbrochen, teilte die Regierung mit. Ohne Spürhunde und nur mit Schaufeln bewaffnet begaben sich die Retter in Malawi auf eine erbitterte Suche nach verschütteten und verwesenden Leichen, die inmitten der Trümmer zerstörter Häuser lagen.

Die Dörfer Manja und Soche wurden nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF komplett von einer Schlammlawine zerstört. Einwohner versuchten, sich über eine aus losen Baumstämmen gefertigte Brücke über reißende Fluten in höher gelegenen Gebieten in Sicherheit zu bringen. Auch zahlreiche Gesundheitszentren sind laut UNICEF beschädigt worden. Schulen blieben diese Woche geschlossen.

Auch Tote in Mosambik und Madagaskar

In Mosambik starben nach Angaben von Präsident Filipe Nyusi mindestens 67 Menschen, 49.000 verloren ihr Dach über dem Kopf. Die Zahl könne sich noch verdoppeln, da viele betroffene Gebiete noch nicht zugänglich seien. Auch im Inselstaat Madagaskar gab es mindestens 17 Tote. Behörden in Malawi und Mosambik ermittelten am Donnerstag weiter das genaue Ausmaß der Schäden, hieß es.

Eine weiße kreisförmige Wolke über einem blauen Untergrund, der zwischen zwei grünen Bereichen liegt
Dass Satellitenbild der NASA zeigt "Freddy" zwischen Mosambik, links, und Madagaskar im südlichen Teil des Indischen Ozeans am Mittwoch, 8. März 2023Bild: NASA/AP Photo/picture alliance

Der ungewöhnlich langlebige Zyklon war am 11. März zum zweiten Mal innerhalb eines Monats in das südliche Afrika eingefallen und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. In einer selten vorkommenden "Schleifenbahn" über dem Indischen Ozean kehrte "Freddy" nach seinem erstem Einfall am 21. Februar mit noch größerer Wucht und noch mehr Regen zurück. Mittlerweile hat er sich laut Daten von Satellitenbildern aufgelöst. Nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) dürfte "Freddy" der langanhaltendste Zyklon seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein.

"Freddy" weise zudem Merkmale auf, die dem Klimawandel entsprechen. Roxy Mathew Koll, Klimawissenschaftler am Indischen Institut für Tropenmeteorologie, sagte, dass der warme Ozean "ein Schlüsselaspekt ist, der zur schnellen Intensivierung von Zyklonen beiträgt". "Zyklon Freddy hat sich während seiner Lebenszeit sieben Mal schnell verstärkt", sagte er. Der Süden Afrikas befindet sich derzeit in der Zyklon-Saison, die bis März oder April Regen und schwere Stürme mit sich bringen kann.

fwü/djo (dpa, afp)