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Stärkstes Erdbeben seit 25 Jahren erschüttert Taiwan

3. April 2024

Bei einem schweren Erdbeben vor der Küste Taiwans sind nach offiziellen Angaben mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 950 wurden verletzt.

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Schwer beschädigte Häuser in der Stadt Hualien
Schwer beschädigte Häuser in der Stadt HualienBild: CNA/AFP

Taiwan ist vom heftigsten Erdbeben seit 25 Jahren heimgesucht worden. Wie die nationale Feuerwehr-Behörde mitteilte, gibt es mindestens neun Todesopfer. Zudem erlitten mehr als 950 Menschen Verletzungen. Unter den Toten ist ein Lastwagenfahrer, dessen Fahrzeug unterwegs von einem Steinschlag getroffen wurde. Zudem kamen drei Wanderer ums Leben. Mehr als 70 Menschen wurden in beschädigten Bauwerken eingeschlossen. Zwei deutsche Staatsbürger, die in einem Tunnel feststeckten, konnten nach einiger Zeit befreit werden, wie die Feuerwehr mitteilte. Der Chongde-Tunnel befindet sich im Taroko-Nationalpark. 

Rettungskräfte bergen einen Überlebenden aus einer Hausruine in New Taipei City
Rettungskräfte bergen einen Überlebenden aus einer Hausruine in New Taipei CityBild: CNA/AFP

Das Beben ereignete sich wenige Kilometer vor der Ostküste Taiwans. Besonders betroffen war die Provinz Hualien, eine dünn besiedelte Bergregion. Die Wetterbehörde registrierte bei der Küstenstadt Hualien in einer Tiefe von 15,5 Kilometern eine Bebenstärke von 7,2. Die Erdbebenwarte in den USA nannte eine Stärke von 7,4. In Japan sprachen die Behörden laut Medienberichten sogar von einer Stärke von 7,7. Das Beben war landesweit sowie auf dem chinesischen Festland zu spüren. Ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters berichtete auch von Erschütterungen in Shanghai.

Viele Häuser beschädigt

Durch die Erschütterungen wurden Brücken, Gleise, Autobahnen, öffentliche Gebäude und Wohnhäuser zum Teil schwer beschädigt oder stürzten ein. Auf Fotos aus der Stadt Hualien ist zu sehen, wie mehrere Häuser einsackten und in Schieflage gerieten. Bewohner der Hauptstadt Taipeh berichteten, dass in ihren Häusern und Wohnungen Einrichtungsgegenstände und Geschirr zu Bruch gingen.

Ein Mann überprüft ein teilweise eingestürztes Gebäude in Hualien
Ein teilweise eingestürztes Gebäude in HualienBild: TVBS/AP/dpa/picture alliance

Der öffentliche Nahverkehr auf der Schiene wurde in mehreren großen Städten der Insel mit mehr als 23 Millionen Einwohnern eingestellt. Auch der Schnellzugverkehr wurde unterbrochen. Der staatseigene Energieversorger Taipower berichtete von mehr als 308.000 Haushalten in Taiwan, bei denen mit dem Beben der Strom ausfiel. Mehr als 87.000 Haushalte waren auch danach zeitweilig noch ohne Stromversorgung. Die beiden Atomkraftwerke des Landes seien nicht beeinträchtigt, hieß es.

Tsunami-Warnungen in mehreren Ländern

Über mehrere Stunden warnten Taiwan, China, Japan und die Philippinen vor Tsunamis, ehe die Warnungen zunächst gelockert und später aufgehoben wurden. Japan bot Taiwan seine Hilfe an.

Im Nachbarland China, das Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet, war das Erbeben ein Hauptthema in den Nachrichten des Staatsfernsehens. Die chinesischen Behörden seien über die Lage sehr besorgt, sagte die Sprecherin des chinesischen Büros für Taiwan-Angelegenheiten, Zhu Fenglian, in Peking. Das Festland beobachte die Situation und sei bereit, Katastrophenhilfe anzubieten. Ob Taiwan die Hilfe Chinas annehmen wird, blieb offen.

Produktionsstopp bei wichtigem Chiphersteller 

Das Beben hatte auch Auswirkungen auf die Wirtschaft: Taiwans wichtiger Halbleiter-Hersteller TSMC etwa hielt die Produktion an, wie die Behörde des Industrieparks der Stadt Hsinchu mitteilte. Die Firma evakuierte laut Berichten Arbeiter während des Bebens aus der Produktion. Auch andere Betriebe stoppten die Arbeit vorübergehend.

Das letzte schwere Erdbeben traf Taiwan im Jahr 1999. Damals kamen mehr als 2400 Menschen ums Leben. Etwa 50.000 Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt. Taiwan liegt in einer erdbebengefährdeten Zone auf der Grenze der Eurasischen Platte und der Philippinischen Meeresplatte.

kle/se (dpa, rtr, afp, ap)