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Die Paneuropäische EURO 2020 wird scheitern

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Herbert Schalling
29. November 2019

Weite Wege, keine Stimmung, komplizierter Modus - das EM-Turnier über den ganzen Kontinent zu verteilen, ist eine Schnapsidee, meint Herbert Schalling.

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Fußball EM 2020 Qualifikation Fans Deutschland - Nordirland
Bild: picture-alliance/Ulmer

Sie wollen Europa kennen lernen? Die UEFA (immer noch die Europäische Fußball-Union und kein Reiseunternehmen) bietet Ihnen dazu im nächsten Sommer alle Möglichkeiten. Im Angebot ist zum Beispiel diese Reise: Baku - Rom - Baku - Amsterdam - Baku - London. So eine Tour würde kein vernünftiger Mensch buchen, meinen Sie? Richtig. Doch diesen Trip könnte es wirklich geben, für ein Team, das bei der Europameisterschaft in die Vorrunden-Gruppe A gelost, dort Zweiter wird und es danach bis ins Halbfinale schafft.

Was für die Mannschaft vielleicht nur eine logistische Herausforderung darstellt, wird für mitreisende Fans zum Horror-Trip, verbunden mit erheblichen Kosten. Welcher Fan wird und will sich das antun? Zumal es zwischendurch immer wieder nach Hause geht, denn die skizzierte Reise würde zwischen dem 13. Juni und 8. Juli stattfinden. Sicher, für die anderen Gruppensieger und Gruppenzweiten wird es kürzere Wege geben. Dennoch, diese EURO 2020 provoziert erhöhten Flugverkehr. Angesichts der aktuellen Klimadebatte ist das kein Zeichen von Nachhaltigkeit. Greta Thunberg, übernehmen Sie!

UEFA kontra Fans

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Herbert Schalling, DW-Sportredaktion

Die Interessen der Fans sind bei der UEFA offensichtlich nur zweitrangig. Dabei sind es doch gerade die bunt gekleideten und teilweise gesichtsbemalten Anhänger, die für das besondere Flair eines solchen Turniers sorgen. In den Stadien, aber auch an spielfreien Tagen in den Städten des oder der Gastgeber. Fußball-EM, das hieß bisher: Der Kontinent trifft sich, guckt zusammen Fußball, feiert gemeinsam und lernt sich dabei auch besser kennen. Beispiele für diese Fußball-Kultur durfte ich als Reporter selbst erleben bei verschiedenen EM- oder auch WM-Turnieren. Wer erinnert sich nicht gern an das deutsche "Sommermärchen" 2006? Auch die Gastgeber waren immer Image-Gewinner dieser Turniere.

Jetzt soll die Fete verteilt auf zwölf Städten in zwölf Ländern stattfinden. Das bedeutet, es werden sich jetzt nur noch die Fans begegnen, deren Mannschaften gegeneinander spielen. Die gemeinsame Party jedoch fällt aus - der EM 2020 ist die Seele abhanden gekommen. Das Fußball-Fest wird reduziert auf ein Produkt in Sponsoren-Händen, auf ein TV-Event. Dem Zuschauer am Bildschirm ist es letztlich egal, ob die Stadien 300 oder 3000 Kilometer voneinander entfernt sind.

Sportliches Niveau sinkt - Gewinn steigt  

"24 Nationen, ein Turnier, ganz Europa", so bejubelt die UEFA ihr kontinentweites Turnier. Als offizieller Anlass muss das 60-jährige Jubiläum der EM herhalten. Verschwiegen wird dabei, dass es sich in Wahrheit um eine Notlösung handelt, die eng mit dem ehemaligen UEFA-Boss Michel Platini verbunden ist. Seine Wahl ins höchste Amt des europäischen Fußballs hatte der Franzose 2007 vor allem den Stimmen der kleineren Fußball-Nationen zu verdanken, besonders denen aus Osteuropa. Die "belohnte" Platini mit der Aufstockung der EM von 16 auf 24 Teams, und er hatte noch eine zweite "brillante" Idee: Gemeinsam mit anderen votierte Platini für die WM 2022 in Katar. Das nächste Fußball-Großereignis, vor dem den Fans graust.

Mehr Mannschaften, mehr Spiele, mehr Stadien - für ein großes Land wie Frankreich war das 2016 noch zu stemmen. Für 2020 jedoch fand sich schon kein Ausrichter mehr. Für die UEFA hat sich das Turnier vor vier Jahren dennoch gelohnt: 1,9 Milliarden Euro Umsatz, 34 Prozent mehr Gewinn. Für das nächste Jahr wird eine weitere Steigerung erwartet - des Profits, nicht des sportlichen Niveaus. Das war schon 2016 ziemlich dürftig. 

Das Turnier nicht mit Hoffnungen überfrachten

Die paneuropäische EM sei ein Zeichen des geeinten Europa, so die Interpretation der Befürworter. Die Realität sieht allerdings doch etwas anders aus. Die Halbfinale und das Endspiel finden in London statt, in einem Land also, das sich im nächsten Sommer vom gemeinsamen Europa verabschiedet haben wird. Oder vielleicht doch nicht? Man weiß ja nie.

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